Sie lernen Deutsch, absolvieren hier erfolgreich eine Ausbildung, haben anschließend einen Arbeitsplatz und werden dringend gebraucht – und trotzdem kann für Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus die berufliche Perspektive plötzlich auf der Kippe stehen. Die Landtagsabgeordnete Eva Lettenbauer setzt sich für eine verlässliche Perspektive für Menschen ein, die in Bayern arbeiten wollen.
Wie schwierig die Situation in der Praxis sein kann, zeigt ein aktueller Fall: Ein junger Mann hat seine Ausbildung zum Pflegefachhelfer erfolgreich abgeschlossen und soll anschließend als Pflegehelfer in Memmingen arbeiten. Eine Ausbildung zur Pflegefachkraft ist perspektivisch geplant, allerdings nicht unmittelbar im Anschluss. Für den Übergang in die Beschäftigung ist seine aufenthaltsrechtlichen Perspektive nun jedoch nicht gesichert. „Wir können nicht ständig über den Pflegenotstand und fehlende Arbeitskräfte sprechen und gleichzeitig Menschen verlieren, die wir hier ausgebildet haben und die bereits einen Arbeitsplatz haben. Wer hier erfolgreich qualifiziert wurde und gebraucht wird, muss auch die Möglichkeit bekommen, seine Qualifikation einzusetzen“, sagt Eva Lettenbauer.
Eine Schriftliche Anfrage der Grünen zeigt zudem: Die Staatsregierung hat selbst keinen Überblick darüber, wie viele Menschen nach einer Helfer- oder Assistenzausbildung anschließend eine Fachausbildung beginnen oder sozialversicherungspflichtig arbeiten. Auch Anträge auf Beschäftigungserlaubnisse für Pflegefachhelfer werden bayernweit nicht systematisch erfasst. Gleichzeitig erklärt die Staatsregierung, dass bei Helfer- und Assistenzausbildungen eine ausbildungsbezogene Aufenthaltsperspektive grundsätzlich möglich ist, dafür aber unter anderem eine Zusage für eine anschließende Fachausbildung vorliegen muss.
Roland Hüber von der Diakonie Allgäu erlebt die Problematik unmittelbar: „Wir brauchen diese Menschen in der Pflege. Wenn jemand seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, einen Arbeitsplatz hat und von uns gebraucht wird, ist es für uns nicht nachvollziehbar, wenn plötzlich die Aufenthaltsperspektive infrage steht.“
Lettenbauer wird das Thema parlamentarisch weiterverfolgen. Sie fordert deshalb unter anderem eine durchgängig digitale und beschleunigte Bearbeitung von Arbeits- und Aufenthaltserlaubnissen, verbindliche Bearbeitungsfristen und eine bessere Einbindung der Arbeitgeber in die Verfahren. Zudem soll ermöglicht werden, dass Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung ohne Unterbrechung im erlernten Beruf weiterarbeiten können. „Es kann nicht unser Anspruch sein, Menschen hier auszubilden und ihnen anschließend Steine in den Weg zu legen. Gerade in Bereichen mit großem Arbeits- und Fachkräftebedarf brauchen wir verlässliche Verfahren und klare Perspektiven“, so Lettenbauer.