Grüne Nordschwäbische Klimakonferenz – ein voller Erfolg

Von der Energiewende über zukunftsfähigen Waldumbau zu nachhaltiger Landwirtschaft, von Fridays for Future über plastikfreie Veranstaltungen und Rufbusse hin zu Radwegen: In Ihrer Online-Klimakonferenz hatte die Landtagsabgeordnete Eva Lettenbauer eine interessante und bunt gemischte Runde zu Gast, ging aber auch gezielt auf die diversen Beiträge und Fragen aller Webinar-Teilnehmer*innen ein. Daraus entstand ein buntes Potpourri an Themen sowie ein angeregter und offener Austausch – auch unter den Podiumsteilnehmer*innen selbst – der verdeutlichte, wie dringend nötig konsequentes, nachhaltiges Handeln sowohl im Privaten als auch besonders in der Politik für den Schutz und Erhalt unserer Umwelt sind.

Bereits in der Begrüßung spannt Lettenbauer ein weites Themenfeld auf. Klimaschutz vor Ort in Nordschwaben heißt für sie die Energiewende durch mehr Solar- und Windenergie in Bürger*innenhand voranzubringen, Bus und Bahn endlich so auszubauen, dass das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln attraktiv ist, aber auch Naturschutz und Landwirtschaft weiterhin gemeinsam zu denken und nachhaltig zu machen.

Den Auftakt der Gesprächsrunde machte Prof. Dr. Wolfgang Buermann, Lehrstuhlinhaber und Klimaforscher an der Uni Augsburg, der eindrücklich erläuterte, dass wir uns derzeit in einer Phase der Begrünung der Erde befinden, die durch den erhöhten CO2-Gehalt in der Atmosphäre sowie den damit einhergehenden Düngeeffekt hervorgerufen wird. Satellitendaten der letzten 30 Jahre lassen einen globalen Anstieg der Pflanzen-Produktivität erkennen, was wiederum zur Folge hat, dass mehr CO2 aus der Atmosphäre gezogen und der Klimawandel damit verlangsamt wird. Neben diesem positiven Aspekt ist aber dringend zu berücksichtigen, inwieweit zunehmender Klimastress, wie z.B. Wetterextreme, diese Produktivität negativ beeinflussen und dadurch den positiven Düngeeffekt aufheben kann. Die entscheidende Frage für Prof. Buermann ist: „Wie schaffen wir es, dass CO2 wieder von der Atmosphäre in die Biosphäre gebracht wird, um die reelle Chance zu haben, die globale Erwärmung etwa auf 1,5 oder 2 Grad zu halten?“

Jo Halbig indessen, der aus Dillingen stammende Bandleader der Killerpilze, fragt sich, warum Klimaforscher nicht mit genauso offenen Ohren gehört werden wie Virologen. Eine – in Zeiten einer Pandemie, die die Verlegung der Klimakonferenz von Dillingen in die digitale Welt erst notwendig gemacht hat – berechtigte wie naheliegende Frage. Als Musiker und Veranstalter von Events, wie beispielsweise dem Donauside-Festival in Dillingen, sieht Jo Halbig sich in der Pflicht, soziale Verantwortung zu übernehmen und die eigene Reichweite positiv zu nutzen. Und so schwenkt das Gespräch vom ersten Konzert der Killerpilze unter dem Motto „Rock gegen Rassismus“ zu plastikfreien Backstage-Bereichen und veganem Catering. Die Recherche nach dem Strommix des Donauside-Festivals nimmt er direkt als nächstes ToDo mit. Halbig sprach sich für mehr Lenkung durch die Politik bezüglich Nachhaltigkeit und Tierhaltung aus.

Heidi Terpoorten, 1.Vorsitzende des Bund Naturschutz in Dillingen und ebenfalls grüne Politikerin, sieht in einer nachhaltigen Landwirtschaft ebenso ein weiteres notwendiges Puzzle-Teil für mehr Klimaschutz und wirft in Ihrem Eingangs-Statement die Frage auf: „Wie klima-, tier-, umwelt- und menschenfreundlich darf und muss Landwirtschaft, auch global betrachtet, in Zukunft sein?“ Um hier positive Veränderungen herbeizuführen, schlägt Terpoorten vor, bisherige Subventionen und Geldflüsse für konventionelle Landwirtschaft in eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu stecken, um die Landwirt*innen für eine Umstrukturierung gewinnen und sie darin auch möglichst gut unterstützen zu können. Über die Landwirtschaft im Allgemeinen kommt schließlich das Kernwegenetz im Landkreis Dillingen zur Sprache, dessen Feldwege im Bereich Ober- und Unterfinningen sowie Mörslingen um 60km geteerte Wege erweitert werden soll. Dabei moniert die Vertreterin des Bund Naturschutz, dass diese Planungen im Geheimen stattfinden und der BN dazu bisher nicht gehört wurde. Grundsätzlich fordert Terpoorten eine nachhaltigere und zukunftsfähige Verkehrsgestaltung und Mobilität: Ihre Vision ist eine S-Bahn-Linie von Gundelfingen über Dillingen und Wertingen bis nach Augsburg, um auch in unserer Region klimafreundlichen Anschluss zu haben und nicht auf den PKW angewiesen zu sein.

Zum Abschluss der Runde möchte Eva Lettenbauer von Ihren Podiumsgästen noch wissen, was sie persönlich bewegt und was Ihre konkreten Anliegen und Wünsche an die Politik wären. Diese sind erwartungsgemäß genauso breit gefächert wie die behandelten Themen. Professor Buermann ist zu diesem Zeitpunkt leider nicht mehr dabei – die Internetverbindung aus dem Homeoffice hat nicht gehalten. Aber auch hier besteht ja wieder ein thematischer Zusammenhang, denn gute Digitalisierung schont Umwelt und Klima! Wenn es um die Möglichkeit geht, Konferenzen ins Netz zu verlegen und dafür auf unnötiges Reisen zu verzichten, brauchen wir eine offene, zukunftsfähige, digitale Infrastruktur und den freien und gleichberechtigten Zugang zum Netz für alle.

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